What Remains of Edith Finch

Adventure

Die Beschreibung klingt zuerst wie ein typisches Horrorgame: Edith Finch, eine junge Frau, kehrt nach Jahren in das verlassene Anwesen ihrer Familie zurück. Während Generationen wurde diese geprägt von seltsamen Todesfällen. Edith ist die einzige verbleibende Finch. Ihre Grossmutter hat sämtliche Zimmer der verstorbenen Familienmitgliedern nach deren Tod versiegelt, um ihr Andenken zu bewahren. Sie war überzeugt, dass die Familie von einem Fluch heimgesucht wird, der unweigerlich alle Mitglieder dahinrafft. Edith ist zurück, um diesem Fluch auf die Spur zu gehen.

Die von einem solchen Szenario erwarteten Geister, Monster und plötzlichen Schreckmomente bleiben jedoch aus. Statt dessen geht man auf Entdeckungsreise durch ein Haus, das auch Jahre nachdem die letzte Bewohnerin verstorben ist, noch voller Leben scheint. Man sucht nach geheimen Türen und Gängen in die Zimmer der Verstorbenen, um dort deren Geschichten zu entdecken.

Hier wird es mitunter emotional ziemlich anspruchsvoll. Man schlüpft nämlich in die Rolle des jeweiligen Familienmitglieds, und löst die Ereignisse, die zu seinem Tod führen, selber aus. Eine Alternative gibt es nicht. Hier transportieren die Macher des Spiels die Wahrheit hinter dem Fluch auf den Spieler. Mit jeder Geschichte wird einem nämlich klarer, dass hier keine übersinnlichen Mächte am Werk sind, sondern eine selbsterfüllende Prophezeiung. Der als unausweichlich betrachtete Fluch und der damit verbundene akzeptierte Tod verleitete die Familie zu einer absurden Nachlässigkeit, die sich vorallem in den Geschichten der Kinder zeigt: Sie sterben an vermeidbaren Unfällen, die man als Spieler schon von Weitem kommen sieht und dennoch durch Interaktionen selber auslöst.

Diese Geschichten werden jedoch auf eine so poetische, mitunter sogar freudvolle Weise erzählt, dass man als Spieler oft vergisst, wie traurig und düster das Ganze eigentlich ist. Denn sie erzählen von der ungebändigten Fantasie, der Kreativität und der Exzentrik, die jedes Familienmitglied ausmachte. Der Tod wird zur schicksalshaften Erfüllung und zum Übergang in ihre ganz persönliche, surreale Traumwelt.

‘What Remains of Edith Finch’ ist ein klassischer Walking-Simulator (‚Geh-Simulator‘), ein Sub-Genre der Adventuregames, das sich stark auf die Geschichte konzentriert und dessen Hauptinteraktion aus herumlaufen besteht. Es gibt keine schwierigen Rätsel, kein komplexes Inventar- oder Dialogsystem, keine Kampfhandlungen oder Zeitbeschränkungen. Sprich: Man kann nicht verlieren. Zu den bekanntesten Vertretern gehören neben ‚Edith Finch‘ auch ‚Gone Home‘, ‚Firewatch‘ oder ‚The Vanishing of Ethan Carter‘.

‚Edith Finch‘ empfehle ich allen, die sich mal für 3, 4 Stunden auf ein ruhiges, tiefgründiges Spielerlebnis einlassen möchten, vielleicht sogar als Alternative zu einem Film oder einem Buch. Bei der Altersempfehlung sind sich USK und PEGI uneinig, ich persönlich würde die goldene Mitte wählen und es ab 14 Jahren empfehlen.

Das Spiel ist erhältlich für Windows auf GOG und Steam, für die PS4, die XBoxOne und seit kurzem auch für die Switch. Es hat eine englische Tonausgabe und deutsche Untertitel, die sich übrigens sehr hübsch in die Spielwelt einfügen, anstatt nur am unteren Bildschirmrand zu erscheinen.